Galloway in Deutschland
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letzte Aktualisierung: 01.10.2010
Über unsere Galloways

Die Bobritzschtalgalloways

Seit 1992 werden im Tal der Bobritzsch in Niederbobritzsch/Sachsen Galloways auf dem Hof der Familie Haupt gezüchtet. Mittlerweile umfasst die Herde 130 Belted Galloways, davon 45 Mutterkühe. Die Tiere werden auf insgesamt 80 ha extensiv genutztem Grünland am Fuße des Erzgebirges gehalten. Die Bewirtschaftung erfolgt dabei nach den Regeln des ökologischen Landbaues der Gäa.
Kuh mit Kalb
Kuh Bärbel mit Kalb
Im Sächsischen Rinderzuchtverband (SRV) waren zum 01.09.2009 217 Herdbuchkühe der Rasse Galloway in Sachsen registriert, im gesamten Masterrindgebiet waren es zu dieser Zeit 1050 Galloway-Herdbuchkühe. Mit 20 % Anteil der Herdbuchkühe in Sachsen und 4 % für Masterrind ist unsere Bobritzschtalgalloway-Herde die größte im sächsischen Raum und wohl eine der größten Belted-Galloway-Zuchten in Deutschland.
Zu Beginn des Jahres 1992 wurden durch den SRV neben 25 Black Galloways auch vier Belted Galloways aus ganz Deutschland angekauft, dabei überwogen die Zukaufsgebiete Schleswig-Holstein und Bayern. Nachdem anfangs die schwarzen Galloways in der Überzahl waren, wurde im laufe der Jahre der Anteil der Belted Galloways gezielt erhöht und züchterisch weiterentwickelt. Die Belties stammen seitens der Mütter ausschließlich aus der Herde von Miss Flora Stewart von Old Place of Mochrum.
Mutterkuherde
Mutterkuhherde mit Kälbern
Gezüchtet werden inzwischen nur noch Belted Galloways aus schottischen Blutlinien. Zur Blutauffrischung wurden gezielt schwarze Galloways ausgewählt und mit Belted Galloways angepaart. Die schwarzen Galloways wurden im Jahr 2000 alle verkauft und nur noch mit den reinerbigen Belties und den Kreuzungstieren weitergezüchtet. Mittlerweile befinden sich 25 reinerbig Belted gezogene Mutterkühe im Bestand. Die restlichen 20 Mutterkühe sind alle mindestens drei Generationen rein Belted gezogen.
Die aus dem anfänglichem Zukauf stammende Belted Kuh Sigrun war mit 18 Jahren und 15 Kälbern unsere und fruchtbarste Kuh. Auch ihre Tochter Siggi wurde 16 Jahre alt und brachte 13 Kälbern zur Welt. Aus dieser Mutterlinie befinden sich derzeit 12 Kühe im Zuchteinsatz. Mit unserem Zuchtbullen Gold Mercur (2004-2006), welcher Rotfaktorträger war, wurden die schlummernden roten Gene in unseren Kühen geweckt. Der rote Zuchtbulle Mylord (2007-2010) brachte letzendlich einige attraktive rote Belties in unsere Zucht.
Im verlaufe der Jahre hat sich ein eigenes Bewirtschaftungssystem der Herden im Management als vorteilhaft erwiesen. In der Regel stehen vier größere Koppeln zur Verfügung. Anfang Oktober werden die Herden nach den Geschlechtern der Kälber getrennt und in Verbindung damit die regelmäßigen Blutuntersuchung durchgeführt. Dabei spielen Gesichtspunkte wie die Gewährleistung einer Säugedauer von 11 Monaten und der Ausschluss von ungewollten, zu frühen Trächtigkeiten eine wichtige Rolle. Ziel ist dabei die Herstellung von stabilen Herdenverbänden, denen die weiblichen Jungrinder zugeordnet werden. Die 2-jährigen Jungbullen werden separat gehalten, sodass im Winter nur drei räumlich getrennte Herden bestehen.
Futterplatz
Fütterungsplatz im Winter
Im Januar/Februar werden in Vorbereitung auf die Abkalbeperiode, die Anfang Februar beginnt, die Kälber abgesetzt und die Mutterkühe in die Nähe des Hofes gebracht um eine reibungslose Abkalbung zu gewährleisten und bei eventuellen Komplikationen einzugreifen können. Die Kühe gebären ihre Kälber problemlos im Freien, auch bei Schnee und Temperaturen bis minus 20 °C. Hier entscheidet die ständige Kontrolle über Erfolg oder Misserfolg in der Aufzucht. 2009 hatten wir bei 30 Abkalbungen keine Verluste und 2010 bei 38 Abkalbungen nur ein Kalb (2,4 %) verloren. Auf eine zusammengedrängte Abkalbperiode von Februar bis spätestens Anfang Mai wird großer Wert gelegt.
Mit Beginn schmelzen des ersten Schnees suchen die Kühe mit den Kälbern die Koppeln auf um die ersten grünen Spitzen abzugrasen. Entsprechend den Abkalbe- und Aufzuchtergebnissen erfolgt die Zuordnung der Zuchtbullen zu den Herden im April oder Mai. Parallel zu den Mutterkuhherden, werden eine Färsen- und eine Jungbullengruppe räumlich getrennt gehalten und gesondert bewirtschaftet, um die Stabilität der Herdenverbände in der Weideperiode zu gewährleisten und Beunruhigungen zu vermeiden. Die räumliche Trennung wird dabei durch angelegte Hecken mit ausreichend Sichtschutz gewährleistet. Es wird jedoch vermieden, dass Herden mit Zuchtbullen nebeneinander stehen.
Mutterkühe
Mutterkühe beim Grasen im trockenen Sommer 2003
Durch die guten Boden- und Futterverhältnisse auf unseren Weiden erreichen die Jungrinder schon eher höhere Gewichte als in der Heimat Schottland. Das Erstbelegungsalter für Galloways soll laut Literatur bei ungefähr 350 kg oder 24 Monaten liegen. Da in unserem Betrieb dies Gewicht aber schon mit 19 oder 20 Monaten erreicht wird, wird die Belegung meist eher durchgefphrt, welches ein früheres Erstkalbealter zur Folge hat. Die Belegung der Färsen erfolgt damit schon im Februar/März womit die Abkalbung schon im Dezember/Januar erfolgen kann.
Gold Mercur
Unser Zuchtbulle Gold Mercur mit einigen Kühen

Eigenschaften der Galloways

Die aus dem Südwesten Schottlands stammende klein- bis mittelrahmige Rinderasse wurde in den 70er Jahren nach Deutschland eingeführt und ist mittlerweile überall verbreitet. Da die Tiere in der Vergangenheit auch in Schottland genetisch wenig verändert wurden, besitzen sie nahezu alle Eigenschaften, die für eine artgerechte ganzjährige Freilandhaltung und eine ökologische Grünlandbewirtschaftung erfolgversprechend sind. Eine hohe Fruchtbarkeit, Leichtkalbigkeit und gute Muttereigenschaften sowie eine geringe Todgeburtenrate sind Eigenschaften, die für eine gute Wirtschaftlichkeit Voraussetzung sind. Darüber hinaus benötigen die Tiere keine festen Ställe, sondern lediglich etwas Schutz vor extremer Witterung und festen Untergrund bei der Winterfütterung um einer Zerstörung der Grünlandnarbe vorzubeugen.
Bullenkalb
Ein erst einen Tag altes Kalb

Der Naturschutz

Eine besondere Bedeutung kommt dem Galloway aufgrund seiner rassespezifischen Eigenschaften als Landschaftspfleger und im Naturschutz zu. Bei schwachem Weidebesatz unter 1.0 GVE und unter Verzicht auf mineralischen Dünger ist in der Regel ein Anstieg einer Vielzahl der Pflanzenarten um 30 - 40 % zu verzeichnen. Die geringen Trittschäden, der schonende Verbiß, die Anspruchslosigkeit der Galloways bis zur Aufnahme von Binsen, Disteln und vielen anderen Wildkräutern sind wichtige Forderungen der Botaniker und Ornithologen im Natur- und Landschaftsschutz.
Neben dem positiven Einfluß auf die Flora hat die extensive Beweidung mit Galloways ebenso positive Auswirkungen auf die Fauna. Bietet die reichhaltigere Flora vielen Insekten und Schmetterlingen und damit auch zahlreichen Vogelarten Nahrung, so sorgen die Exkremente der Tiere für ein reichhaltiges Bodenleben, welches wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Tiere und auch für Zugvögel darstellt. Galloways sind mit ihrer ganzjährigen Beweidung in Form einer Standweide ein Ersatz für die Hütehaltung der Rinder in den vergangenen Jahrhunderten. Sie können dadurch mithelfen, die durch die Industralialisierung der Landwirtschaft hervorgerufenen Floren- und Faunenschnitte zu vermindern.
Wir haben in den letzten 18 Jahren viele neue Hecken angelegt und Feuchtbiotope geschaffen. So haben sich zahlreiche neue Arten auf und um die Weiden herum angesiedelt und andere Arten konnten sich im Bestand erholen. Es sind stabile Lebensräume für Amphibien (Grasfrosch, Erdkröte, Teichmolche), Reptilien (Ringelnatter), Säugetiere (Haselmaus) und Singvögel (Braunkehlchen, Neuntöter und Schafstelze) entstanden. Schwalben bringen Glück, sagt der Volksmund. Anscheinend brachten andersherum die Galloways den Schwalben Glück. Anfang der 90er Jahre waren nur ca. 10 Pärchen der Mehlschwalbe auf unserem Hof zu Hause, mittlerweile sind es 20 bis 30 Mehl-und Rauchschwalben-Pärchen, die jedes Frühjahr den weiten Weg zu den Bobritzschtalgalloways auf sich nehmen um ihre Jungen groß zu ziehen.

Das Gesundheits-Fleisch

Natürlich ist das Galloway nicht nur Naturschützer im Zottelfell, sondern es liefert auch ein mageres, gleichmäßig marmoriertes, feinfaseriges und dunkles Fleisch hoher Güte. Das Fleisch liegt im Geschmack zwischen Wild und Rind.
Langsam gewachsenes, ohne Kraftfutter erzeugtes Fleisch (2,5 - 3 Jahre) weist eine bessere Fleischqualität auf, als anderes, schnell gemästetes Rindfleisch. Es ist aufgrund der Ernährung des Galloways auf den kräuterreichen Weiden reich an essentiellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3/Linolensäure), welches auch in Fisch, Leinöl oder Rapsöl in höherer Konzentration zu finden ist. Omega-3-Fettsäuren haben einen Cholesterin senkenden Effekt, es beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor und hat einen therapeutischer Nutzen bei Entzündungsprozessen, Arthritis und Immunerkrankungen. Der Gesamtfettgehalt extensiv gehaltener Galloways ist unter 3 %, bei ca. 98 % ungesättigten Fettsäuren.
Durch die stressfreie, tiergerechte Schlachtung (Schießen auf der Weide) werden unnötige und für die Rinder quälende Tiertransporte vermieden. Das führt zu einer schnelleren und besseren Fleischreifung durch weniger Adrenalin in den Muskelfasern. Die Fleischreifung beträgt mindestens 14 Tage. Durch die Vakuumverpackung wird nicht nur eine längere Haltbarkeit, sondern auch eine höhere Zartheit erreicht und der saftigere Geschmack des Gallowayfleisches erhalten.

Ausblick

Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler hat anläßlich der Welt-Gallowaykonferenz im Jahre 1998 folgenden Ausspruch geprägt: „Das Galloway ist das Synonym für die gemeinsame EU-Agrarpolitik.” Wir sollten uns klar darüber werden, daß es nicht mehr lange möglich sein wird, einerseits Steuermittel in Größenordnungen für Flächenstilllegungen und andererseits für Interventionskäufe auszugeben. Das Galloway ist nicht nur eine sinnvolle, sondern auch eine wirtschaftliche Alternative im Konflikt von Flächenstillegung und intensiver Landwirtschaft.
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